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Rehwild richtig aufbrechen - nach der Jagd ist vor der Jagd

durch Philipp Bugert auf August 27, 2019

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Vor allem für Jagd-Neulinge ist es sicherlich ein sehr prägendes und erfreuliches Erlebnis, wenn die zahlreichen Mühen endlich belohnt werden und man vor seinem ersten erlegten Rehwild steht. Unzählige Male hat man sich genau diesen Moment gedanklich bereits ausgemalt und nun ist er endlich gekommen. Man blickt stolz zu Boden und kann ein erstes positives Resultat verbuchen.

In den meisten Fällen endet jener Gedankenweg genau an dieser Stelle und verursacht somit, dass der Jägerneuling ein wenig verdutzt dasteht und erst danach Stück für Stück realisiert, dass seine frischerlangte Trophäe keineswegs einfach dort liegen bleiben kann. „Nach der Jagd ist vor der Jagd“ könnte man fast sagen, denn, wenn die „rote Arbeit“ ansteht, wird Jagd-Beginnern und auch Profis gleichermaßen alles abverlangt. Ein Rehwild richtig aufbrechen bedeutet vor allem für Unerfahrene zunächst, dass man vor einer waschechten Hürde steht. Egal, ob Jagdausflug in Kanada, oder in heimischen Jagdrevieren - die Hürde muss schnell gemeistert werden, um hygienetechnisch auf der sicheren Seite zu verweilen. Mit den richtigen Handgriffen und Herangehensweisen lässt sich das Rehwild schnell und effektiv aufbrechen.

Rehwild richtig aufbrechen - hygienische Notwendigkeit

Nachdem der Tod des Tieres eingetreten ist, sollte man möglichst schleunigst die rote Arbeit, also das Aufbrechen des Wildes und die spätere Entnahme der Eingeweide, einleiten. Vor allem die zahlreichen Darmbakterien stellen ein großes Risiko dar und können bei zu langem Hinauszögern dieses Vorgehens wohlmöglich das kostbare Wildbret befallen. Bereits 45 Minuten nachdem man das Tier erlegt hat, kann die Darmbarriere bereits anfangen einzubrechen.

Auch Galle und Fäkalien können eine erstzunehmende Gefahrenquelle sein, die es schnell zu beseitigen gilt. Da durch die Entnahme der Eingeweide zeitgleich die Temperatur des erlegten Wildes heruntergefahren wird, ist dieser Schritt für eine spätere hygienische Weiterverarbeitung unabdingbar.

Der beste Ort zum Aufbrechen

Zuhause ist es doch immer am schönsten – auch, beim Thema Rehwild richtig aufbrechen. Man kann durchaus sagen, dass man beim Aufbrechen des Wildes in den eigenen vier Wänden leichteres Spiel hat, weil einfach die notwendige Infrastruktur vorhanden ist. Um während des Aufbrechens nicht ständig mit schlackernden Hinterläufen konfrontiert zu werden, bietet es sich beispielsweise an, dass Rehwild an genau diesen aufzuhängen. Dieses Vorgehen wäre abseits des Eigenheims meist nicht durchführbar und würde zudem Unmengen an Zeit verschlucken. Wenn die Möglichkeit besteht, das erlegte Wild schnell nach Hause zu transportieren, dann sollte man diese Chance definitiv wahrnehmen. Andernfalls drohen kräfteraubende und stressige Situationen, die die ohnehin schon fordernde Aktion noch schwieriger gestalten würden. Zudem ist mit dieser Herangehensweise ein rückenschonendes Aufbrechen sichergestellt.

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Öffnen des Brustkorbs und der Bauchdecke

Nun geht es also mit dem eigentlichen Arbeitsakt los. Um eine fachgerechte und unkomplizierte Vorgehensweise sicherzustellen, sollte man mit einem Brustbeinschnitt beginnen. Hierfür setzt man am besten mittig des Brustbeines an und schneidet sich bis zum Unterkieferwinkel vor.

Bevor es im Anschluss an die Öffnung der Bauchdecke geht, muss man zunächst Spinne und/oder Kurzwildbrät abschärfen. Es bietet sich an dieser Stelle an, ein wenig an der umliegenden Haut zu ziehen, um auf diese Art und Weise eine Spannung herzustellen. Danach kann man mit dem umliegenden Abschärfen problemlos beginnen.

Die eigentliche Öffnung der Bauchdecke beginnt man am einfachsten direkt an der Stelle, an der man zuvor das Kurzwildbret abgeschärft hat. Vor allem ein Gekrösemesser eignet sich bei diesem Arbeitsschritt hervorragend, da man eine Verletzung des Pansens somit nahezu ausschließen kann. Mit dem mittig an der Bauchdecke platzierten Messer, schneidet man sich im darauffolgenden Schritt präzise und vorsichtig Richtung Brustbein. Du solltest immer versuchen einen konstanten Messerdruck zu bewahren und dich mit dem Messer nur unmittelbar unter der Bauchdecke fortbewegen. Auf diese Weise kannst du dir sicher sein, dass die Innereinen des Wildes nicht verletzt werden. Um den Brustkorb nun endgültig zu öffnen, zerschneidest du mit einem etwas stärkeren Schnitt das letzte Stück vom Brustbein. Der Brustkorb sollte nun komplett geöffnet sein.

Rehwild richtig aufbrechen - Entfernung der Innereien

Man kann prinzipiell direkt erkennen, ob man den Brustkorb anständig geöffnet hat, oder nicht. Bei einer fachgerechten Öffnung sollten die Innereien schon fast eigenständig entgegenkommen, da der Druck nun nach außen hin entweichen kann.

Bei einem weiblichen Wild sollte man die Arbeit zunächst am Beckenkanal fortführen, um dort den Uterus und die Blase zu entfernen. Hier sollte man gerade bei der Blase behutsam vorgehen, da diese noch gefüllt sein könnte. Hat man beides vorsichtig herausgezogen und entfernt, kann man im nächsten Schritt den Enddarm lösen. Es bietet sich an, dass man die Losungspillen des Darmes nach unten bewegt und anschließend abschärft. Ein langes Darmstück sollte nun aus dem Beckenkanal hängen. Dieses musst du im nächsten Schritt verknoten.

Im weiteren Vorgehen gilt es das restliche Stück Darm zu entfernen. Dafür zerschneidet man einfach das Bindegewebe mittig der Nieren. Schärft man im Anschluss nun noch die Zwerchfellpfeiler des Bindegewebes ab, sollten sich daraufhin alle restlich verbliebenden Innereien in einem Ruck lösen.

Im letzten Step muss man innerhalb der Bauchhöhle nur noch das Bindegewebe vollständig entfernen. Alle Innereien sollten nun vollständig herausfallen. Mit dem darauffolgenden Herauslösen von Speiseröhre, Luftröhre und Schlund blickt man bereits fast dem Ende des Prozesses entgegen. Lediglich die Entfernung des Waidloches steht nun noch aus.

Beim sogenannten „Ringeln“ schneidet man in das gesamte Areal rund um das Waidloch in Richtung Beckenkanal. Der Enddarm lässt sich mit dieser Herangehensweise nun unkompliziert herauslösen, indem man einfach daran zieht.

Schon fertig! Das vollständig und fachgerecht aufgebrochene Wild kann nun mit kaltem Wasser von letzten Verunreinigungen befreit und anschließend in eine Kühlkammer gelegt werden.

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