Blattschuss – ein Muss in punkto Waidgerechtigkeit

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Jeder Jäger kennt es nur zu gut. Man ist in aussichtsreicher Position und blickt auf das anvisierte Stück, welches sich nun in perfekter Stellung vor einem auftut. Man greift zum Gewehr, hält noch einmal kurz inne und schon wenige Sekunden später bricht der Schuss. Die gesamte Anspannung des Moments oder vielleicht sogar des gesamten Tages, entlädt sich in genau diesem Moment. Man sieht, wie das Stück schlägelt und man weiß, dass die Mühen sich am Ende des Tages gelohnt haben. So oder so ähnlich sollte es sein – die Realität hingegen sieht des Öfteren leider ganz anders aus. Was eigentlich nach einem perfekten Blattschuss aussah, entpuppt sich am Ende doch nur als Schein. Das Wild schreitet davon und rettet sich in Windeseile in die nächstgelegene Dickung. Der Treffersitz bei der Jagd sollte in punkto Waidgerechtigkeit ein absolutes Muss sein. Wolfgangs hat für dich zusammengefasst, wie du diesem Leitgedanken während der Jagd gerecht wirst und gibt zusätzlich noch wissenswerte Infos.

Der Blattschuss - die hohe Kunst der Waidgerechtigkeit

Der Schuss aufs Wild ist nicht einfach nur die simple Abgabe eines Schusses, sondern ist vielmehr als Akt anzusehen, der darüber entscheidet, ob eine gute und waidgerechte Jagd gelingt oder nicht. Nur diejenigen, die diesem Leitgedanken ständig folgen und das Ganze mit konstanten Übungsmaßnahmen sicherstellen, können dem dauerhaft gerecht werden und einen Blattschuss landen. Eine derartige Jagd ist somit nicht einfach nur die Erlegung eines Wildes, sondern vielmehr eine Kunst, die es immer wieder aufs Neue zu verinnerlichen gilt.

Ein Schütze muss sich während der Jagd extrem sicher sein, dass sein Schuss das Vitalzentrum des Wildes trifft. Besteht auch nur ein Moment der Unsicherheit, sollte der Versuch direkt abgebrochen werden, da ein Blattschuss dann nicht mehr gewährleistet werden kann. Vitalzentrum, das bedeutet, dass Kammer und auch Träger des jeweiligen Stücks unbedingt getroffen werden müssen. Wie sonst soll man es bewerkstelligen, dem Tier einen schnellen und vor allen Dingen schmerzfreien Tod zu garantieren? Auch das Wildbret würde mit einer anderen Herangehensweise unter Umständen darunter leiden. Die Hygieneaspekte sind bei diesem Thema ebenfalls nicht zu unterschätzen.

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Der perfekte Blattschuss - ein Mix aus Erfahrung und Bedingungen vor Ort

Die Bedingungen vor Ort spielen eine große Rolle, wenn man einen sauberen Blattschuss landen will. Damit sind nicht nur die Wetterverhältnisse gemeint, sondern vielmehr auch die Punkte, die man im Vorfeld leider nicht absehen kann. So beispielsweise bei der Bewegung des Wilds. Sieht man sich bei Abgabe des Schusses plötzlich mit einer abrupten oder hektischen Bewegung des Stücks konfrontiert, kann dies schlussfolgernd bedeuten, dass auch die Kugel am Ende ein anderes Ziel findet als geplant. Was anfangs nach einem Blattschuss aussah, kann sich bei näherer Betrachtung als Trugschluss herausstellen.

Es gilt mit Hinblick darauf umso mehr, dass man sich in genau solchen Momenten gut konzentriert und die erlangten Fähigkeiten immer wieder aufs Neue auffrischt. Zwar lassen sich solche Vorkommnisse niemals komplett ausschließen, mit seinen Handlungen im Vorfeld kann man jedoch vieles dafür tun, dass eine richtige Richtung eingeschlagen wird. Viel Erfahrung ist bei diesem Thema extrem wichtig, wenn man stets einen ordentlichen Blattschuss erzielen möchte.

Blattschuss - nur eine Definition gültig

Es ist wichtig, dass man die Definition des Begriffes „Blattschuss“ nicht neu erfindet, fehldeutet oder durch Halbwahrheiten anders interpretiert. Mit Hinblick auf das Tierwohl ist es unabdingbar, dass es nur eine Definition dieses Wortes gibt. Fällt das Wort „Blatt“, so muss ein jeder Jäger wissen, dass ausschließlich die Region kopfwärts vor dem Zwerchfell gemeint ist. Von der anatomischen Wortwahl aus betrachtet, ist diese gemeinte Region am besten als „Brustraum“ zu betiteln.

Viele Jäger dehnen bei ihrer Definition hingegen den eigentlichen Sitz des Brustraumes zu sehr aus, sodass für das Tier oftmals schmerzhafte Fehltreffer die Folge sind. Jede einzelne Kugel, die den Bereich hinter dem Zwerchfell trifft und im Anschluss darauf in die Bauchhöhle des Tieres gelangt, führt zu einer tierschutzmäßigen Katastrophe. Auch die bereits zuvor thematisierte Wildbret-Hygiene leidet enorm darunter. In der Regel ist das Stück zwar nicht dazu in der Lage weit zu flüchten, jedoch bleibt ein Fakt unwiderruflich bestehen – ein Weidwundschuss ist eine äußerst schmerzhafte Angelegenheit, die dem Wild unbedingt erspart werden muss. Es ist äußerst gefährlich, wenn dem Blattschuss nach und nach eine andere Definition zu Teil wird. Hier muss dauerhaft das gleiche Verständnis bestehen bleiben.

Blattschuss bei der Jagd - Unterschiede der Tierarten berücksichtigen

Ebenso ist während der Jagd eine Deutung und Beurteilung der verschiedenen Tierarten wichtig. Sitz des Zwerchfells und auch der Atmungszustand kann von Art zu Art von unterschiedlicher Natur sein, sodass dies vor Abgabe des Schusses unbedingt auch im Hinterkopf bewahrt werden muss.

So ist es bei der Schalenwild-Jagd beispielsweise so, dass man mit Hilfe einer sich vorgestellten Linie in etwa erörtern kann, wo der Blattschuss abgegeben werden darf. Die hintere Grenze des Stücks bildet in diesem Fall eine senkrechtgezogene Linie, die bei den hinteren Konturen der Vorderläufe anzusetzen ist. Regeln wie diese, gepaart mit den bereits angesprochenen Punkten der guten Vorbereitung, sowie der Übung und Erfahrung, können als gesamtes Paket gewährleisten, dass der Blattschuss bei der Jagd ordnungsgemäß vonstattengeht.

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